Rotorua – mehr als nur Schwefel

Endlich zurück in Rotorua. Von vielen verkannt, von mir heiß geliebt. Nach meinem Abitur lebte ich drei Monate in der Stadt, um an der Western Heights High School als Assistenz-Lehrerin Spanisch zu unterrichten. Die meisten verbinden mit Rotorua nur  den schwefeligen Duft nach verfaulten Eiern. Zum einen ist dieser aber gar nicht so schlimm und zum anderen verhält es sich damit wie mit allen anderen Düften auch – nach kurzer Zeit stumpft die Nase ab und man nimmt den Geruch gar nicht mehr war. Und dann sieht man plötzlich all die schönen Seiten dieser Stadt. Nicht umsonst verehren die Maori diesen Ort und machen heute immernoch 35% der Gesamtbevölkerung aus. Rotorua ist nicht nur die größte Thermalgegend Neuseelands, sondern liegt auch direkt am wunderschönen Lake Rotorua. In unmittelbarer Umgebung befinden sich weitere Seen, die zum Wassersport einladen. Wer gerne Surfen möchte, fährt nur 30 Minuten bis zum nächsten Strand und für Mountainbiker sind die Redwoods Whakarewarewa Forests das reinste Paradies.

Wir haben das Glück bei meiner ehemaligen Gastfamilie zu wohnen, sodass wir den Tag mit einer geführten Fahrradtour durch Rotorua starten. Der Schwefelgeruch kommt natürlich nicht von Ungefähr. Wo man auch hinblickt, an jeder Ecke dampft und brodelt es. Bisweilen schießt sogar ein Geysir aus der Straße. Aufgrund der spektakulären Thermalquellen zieht „RotoVegas“ jährlich drei Millionen Besucher an. Wir fahren durch den Kuirau Park, ein vulkanisches Gebiet im Westen des Stadtzentrums.2003 wurde durch einen Vulkanausbruch ein Großteil des Parks unter Schlamm begraben. Zurück blieben Kraterseen und weiß-gelbe Gesteinsterrassen mit wabernden Dampfwolken darüber. Es wirkt fast ein bisschen unwirklich und wie auf einem anderen Planeten. Die Government Gardens sind dafür umso grüner und behergen das hübsche Rotorua Museum und das Polynesian Spa.

Nach der Fahrradtour fahren wir weiter zum Wai-O-Tapu Thermal Wonderland. „Wai-O-Tapu“ ist Maori und heißt „Heilige Wasser“. Das Thermalgebiet mit seinen Kratern, Schlammtümpeln, Seen und Geysiren erstreckt sich über eine Fläche von 18 km² und steht unter Landschaftsschutz. Schwefel, Arsensulfide, Eisenoxid und andere Elemente bzw. Verbindungen sorgen für ein Farbenmeer aus gelb, orange, grün, purpur, rot, braun und schwarz. Einige Krater haben eine Durchmesser von 50 Metern und sind 20 Meter tief. Bei einem Grundwasserspiegel von drei Metern bricht der Waiotapu Geysir alle zwei bis 36 Stunden aus. Die größte Quelle stellt der 700 Jahre alte Champagne Pool mit einem Durchmesser von 65 Metern und einer Tiefe von 63 Metern dar. Bei einer Wassertemperatur von 74°C sollte man sich das Bad darin lieber sparen. Gold, Silber, Aresen, Quecksilber, Schwefel und Antimon sorgen für eine einzigarte Färbung des Wassers. Wenn der Inferno Crater ausbricht, bekommt man eventuell eine kostenlose Schlamm-Maske. Der Grund des Kraters besteht aus brodelndem Schlamm der bei gelegentlichen Ausbrüchen 20 Meter hoch in die Luft geschleudert wird. Wir verlassen den Park unversehrt und gönnen uns zur Abkühlung eine Kugel „Hokey Pokey“-Eis bei Jenny’s Ice Cream Parlor am See.

Gestärkt fahren wir mit der Gondel hoch zur Skyline. Von oben hat man einen tollen Blick über die Stadt. Es gibt außerdem eine Sommerrodelbahn und Mountainbike-Traks. Wer noch mehr Adrenalin braucht, lässt sich mit einer Riesenschaukel in die Luft katapultieren oder saust an einem Seil den Hang hinunter.

Rotorua die stinkende „Schwefelstadt“? Weit gefehlt. Hier brodelt nur ein Mix aus atemberaubender Natur und spektakulärer Freizeitgestaltung, der unbedingt entdeckt werden möchte.

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